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Die Marburger Schlossbuslinie 16


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Durch die romantische Oberstadt zum Schloss


SWM-Bus 191: 37kb

Dieser Mercedes-Benz L 608D mit Vetter-Aufbau wurde 1969 an die Stadtwerke Marburg ausgeliefert. Das Foto des Wagens 191 hat aufgenommen.

Zur Geschichte einer Buslinie


Die SWM-Omnibuslinie 16 wurde 1954 eingerichtet. Ihre Strecke führte damals vom Hauptbahnhof durch die Bahnhofstraße, die Elisabethstraße, den Pilgrimstein, den Steinweg, die Neustadt und die Wettergasse - wo sich heute Marburgs Fußgängerzone erstreckt - sowie die Marktgasse zum Marktplatz. Weiter ging die Fahrt durch die Barfüßerstraße, ihre Verlängerung "Barfüßer Tor", die Sybelstraße, die Lutherstraße und den Behringweg (heute Gisonenweg) zum Schloss.
Den Rückweg nahm die 16 durch den Behringweg, die Lutherstraße, die Sybelstraße und die Straßen "Barfüßer Tor" und "Am Plan", wo sie rechts den Berg hinabfuhr. Weiter ging die Fahrt durch die Gutenbergstraße und die Universitätsstraße zum Rudolphsplatz, dann durch die Biegenstraße, die Deutschhausstraße, die Elisabethstraße und die Bahnhofstraße zum Hauptbanhof.
Wegen der starken Steigungsstrecken und einem fehlenden Winterdienst verkehrte der Schlossbus damals nur zwischen April und November.
Als am 8. November 1973 die obere Wettergasse und die Neustadt zur Fußgängerzone umgestaltet wurden, veränderte sich die Streckenführung zwischen
Elisabethkirche und Marktgasse: Durch den Pilgrimstein führte die Fahrt nun zum Rudolphsplatz, wo der Bus rechts in die Straße "Lahntor", wieder rechts in die Straße "Am Hirschberg" und noch einmal rechts in die Wettergasse abbog, um dann - aus der entgegengesetzten Richtung kommend - nach links in die Marktgasse einzubiegen. Die Rückfahrt blieb unverändert.
Mitte der 70er Jahre wurde die Strecke werktags auf das Teilstück Schloss - Rudolphsplatz verkürzt. Von seiner neuen Endhaltestelle in der Straße "Lahntor" fuhr der Bus jetzt durch die Universitätsstraße zur Haltestelle "Gutenbergstraße" vor dem neuerrichteten Kaufhaus Horten (heute Schlossberg-Center). Dann ging es durch die obere Gutenbergstraße zur nächsten Haltestelle an der Ecke zur Untergasse. Von der Untergasse zweigte der Bus nach links in den Hirschberg ab und setzte seine Fahrt auf dem traditionellen Linienweg fort.
Hinzu kam ein zweiter Ast zum Neubaugebiet "Kreutzacker" im Stadtteil Marbach, der vor der Sybelstraße die Strecke zum Schloss verließ und stattdessen geradeaus durch die Straße "Rotenberg" führte. Nach einigen hundert Metern Fahrt über freies Feld bog der Bus schließlich ins Neubaugebiet ab, um an der Endhaltestelle auf die Linie 4 zu treffen. Unter der gemeinsamen Liniennummer 16 bediente ein Fahrzeug im 40-Minuten-Takt abwechselnd die alte und die neue Linienführung.
Ab dem 26.9.1976 wurden diese Fahrten um wenige hundert Meter zum Ausflugslokal "Sellhof" verlängert. Erst 1984 wurden die sonntäglichen Fahrten zum Hauptbahnhof eingestellt.
Seit dem 2.6.1985 bedient die Linie 16 den Stadtteil Wehrshausen, der vorher ausschließlich vom Omnibusunternehmen Zimmermann angefahren wurde. Die nochmalige Verlängerung der Fahrten über den Sellhof hinaus machte eine Ausdehnung des Fahrplantakts auf einen 45-Minuten-Abstand erforderlich.
Am 8.9.1997 wurde die Schlossbuslinie mit der 1995 eingerichteten Kleinbuslinie "O" verknüpft, die zuvor den Park-and-Ride-Parkplatz am Hansenhaus mit der Mensa am Erlenring verbunden hatte. Im 20-Minuten-Takt fährt die Linie 16 seither vom Klinikum über den Park-and-Ride-Parkplatz, Hansenhaus, die Großseelheimer Straße hinab, durch die Schwanallee über den Wilhelmsplatz und die Universitätsstraße zur Gutenbergstraße und weiter auf dem alten Linienweg der 16 bis zum Rotenberg, wo sich die Linie an der Einmündung der Sybelstraße in drei Äste aufteilt: Jeweils stündlich verkehren die vier eingesetzten Busse von dort weiter zum Schloss, zum Kreutzacker und nach Wehrshausen.
Am 11. Januar 1999 wurde der Ast nach Wehrshausen nochmals in den Stadtteil Elnhausen verlängert.
Zum Einsatz auf der Buslinie 16 gelangen Midibusse der Bauart Neoplan N 4007 (Wagen 96-98 vom Baujahr 1994, 92 und 93 vom Baujahr 1996 sowie 94 und 99 vom Baujahr 1997). Erster Schlossbus war seit 1954 Wagen 35, ein Opel Blitz mit Aufbau der Karosseriefabrik Gebrüder Ludewig in Essen-Altenessen gewesen. Ihm folgte 1969 der spätere OFM-Museumsbus 191. 1974 beschafften die SWM mit Wagen 91 erstmals einen Kässbohrer Setra S80; 1981 kam mit Wagen 95 vom Typ S 208 HMA ein zweiter Setra hinzu. 1991 wurde Wagen 91 durch einen Van Hool A 507 Z mit gleicher Nummer ersetzt.
Wegen des hohen Fahrgastaufkommens verkehrten in den Anfangsjahren auf der Schlosslinie sonntags auch größere Busse der Bauart Mercedes-Benz O 321 H (Wagen 101 und 102 vom Baujahr 1955). Die engen Gassen der Oberstadt waren für diese Busse aber kaum passierbar. Die doppelte Spitzkehre Barfüßer Tor/Rotenberg/Sybelstraße konnten sie überhaupt nur bewältigen, indem sie zunächst vorwärts in den Rotenberg, dann 100 Meter rückwärts die Sybelstraße hinein bis zur Einmündung der Lutherstraße fuhren, um durch sie ihre Fahrt dann wieder vorwärts fortzusetzen. Auf dem Rückweg fand dasselbe Manöver in umgekehrter Richtung statt. Angesichts dieser Erschwernis ist es kein Wunder, dass der Einsatz größerer Busse auf dieser Strecke schon nach wenigen Jahren wieder gänzlich aufgegeben wurde.
Wenn auf der Linie 16 heute auch moderne Busse eingesetzt werden, so dürfte Marburgs Schlossbuslinie immer noch zu den interessantesten Stadtbuslinien Deutschlands gehören. Die Fahrt durch enge und verwinkelte Gassen in der historischen Oberstadt, durch die Spitzkehren am Rotenberg und oben an der Lutherstraße wie auch ihre steilen Streckenabschnitte und schließlich der Ausblick über die gesamte Stadt machen eine Busfahrt zum Schloss zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Aus: Dirk Dannenfeld und Franz-Josef Hanke, "Mit Hafer, Strom und Diesel - vom Pferdebus zum Niederflurgelenkbus - 100 Jahre Nahverkehr in Marburg", 1999 Omnibusspiegel-Verlag Dieter Hanke, Bonn
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Die Marburger Busseiten hat der Journalist Franz-Josef Hanke zusammengestellt.

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